Wenn Ingenieure Kebab machen Wie alles entstanden ist

„Wenn sie mal ein guter Verfahrenstechniker werden, werden sie bestimmt auch ein guter Koch“, das waren die Worte meines Professors vor ca. 23 Jahren im Fach Wärme- und Stoffübertragung im Lehrstuhl für Thermische Verfahrenstechnik an der Technischen Universität Kaiserslautern.

Damals habe ich darüber geschmunzelt, aber jetzt verstehe ich, was er damit meinte und ich muss immer wieder innerlich lachen, wenn ich daran denke. Denn letztendlich behielt mein Professor Recht. Ich bin zwar kein Koch geworden, aber wahrscheinlich wäre Klein-Kebabheim nie entstanden, wenn ich nicht den Werdegang als Verfahrenstechniker in den letzten 20 Jahren, vor allem in der Lebensmittelindustrie, durchlaufen hätte.

Bei der industrialisierten Lebensmittelherstellung stimmt so einiges nicht und die Moral gerät leider immer mehr in den Hintergrund. Ich habe jedenfalls genug gesehen und gelesen, was mich letztendlich dazu gebracht hat, Klein-Kebabheim zu gründen.

Unser einziger Lebensraum verliert immer mehr das Gleichgewicht und die steigenden CO2-Werte sind kaum noch aufzuhalten. Obwohl unsere Technologie immer weiter fortschreitet, schaffen wir es nicht, die globale Erderwärmung in den Griff zu bekommen. Die Liste an Umweltsünden ist lang und oft hoffen wir darauf, dass die Menschen vernünftig genug sind, um sie irgendwie in den Griff zu bekommen. Und genau bei diesem Gedanken liegt der Fehler, den ich auch jahrelang selbst begangen habe.

Einfach zu hoffen reicht nicht!

Wir müssen uns alle daran beteiligen, um der Natur die Gelegenheit zu geben sich zu erholen. Jeder Einzelne kann seinen Beitrag leisten. Und mit unserer Ernährung fängt es an. Unsere Ernährung hat nicht nur einen großen Einfluss auf unseren Körper, sondern einen noch größeren Einfluss auf die Natur.

Wo kommt die Nahrung in der Verpackung her? Was ist drin? Wo und wie wurde sie hergestellt? Wie viele Kilometer hat sie schon hinter sich gebracht? Wieviel Energie wurde im Herstellungsprozess eingesetzt? Warum werden Verpackungen immer bunter und verlockender? Welche Zusatzstoffe sind in unserer Nahrung? Warum wird die Liste der Inhaltsstoffe auf der Rückseite immer länger? Was bewirken die Zusatzstoffe in der Summe und über die Jahre in meinem Körper? Wieviel Plastik ist inzwischen in unseren Lebensmitteln angekommen? Wie werden Tiere gezüchtet, dessen Fleisch wir verzehren? Womit werden die Tiere gefüttert? Wo kommt das Futter her und wieviel Aufwand wurde dafür betrieben? Was ist drin im Futter und was landet in meinem Körper? Wieviel Nitrat gelangt über die Gülle aus der Massentierhaltung in unser Grundwasser? Warum werden immer mehr Pestizide eingesetzt? Warum gibt es so viele Krankheiten und warum sind sie so verbreitet? Warum werden immer mehr Medikamente verschrieben und eingenommen? Warum wird unser Immunsystem immer schwächer? Warum, warum, warum…?

Eine unzählige Liste an Fragen, die ich mir in den letzten Jahren immer wieder gestellt habe, und die einen sogar in den Wahnsinn treiben können! Entweder lässt man es geschehen und schwimmt einfach nur im „Mainstream“ mit und akzeptiert was auf der Welt so passiert, oder man unternimmt was dagegen, um nicht nur die Natur zu unterstützen, sondern auch der eigenen Gesundheit was Gutes zu tun.

Je mehr ich recherchiere, desto deutlicher wird das Gesamtbild und desto klarer wird mir, was für eine große Rolle die Herkunft und Verarbeitung der Lebensmittel spielt.

Wir müssen regional werden, die Landwirte, die das kostbarste Handwerk ausüben, und Betriebe in unserer Nachbarschaft unterstützen, weniger essen aber dafür qualitativer und frischer, soweit es geht nicht verarbeitete Nahrungsmittel zu uns nehmen, selber kochen und im eigenen Garten anbauen.

Es ist verdammt schwer sich daran zu halten, vor allem in der heutigen und schnelllebigen Gesellschaft. Der Aufwand ist einfach sehr groß und das Angebot an regionalen Fertigprodukten sehr gering.

Genau deshalb ist Klein-Kebabheim entstanden, um möglichst vielen die Möglichkeit zu geben, Ihren Beitrag zu leisten, zu wissen was man isst, sich gesünder zu ernähren, die Regionalität zu unterstützen und mit Nachhaltigkeit zu leben.

Klein-Kebabheim ist zwar nur ein kleiner Schritt, aber ich bin mir sicher, mit der Unterstützung der Bevölkerung und dem steigenden Bewusstsein wird es Großes bewirken. Es ist die „Nachfrage“ nach der sich die Lebensmittelindustrie richtet und die bestimmen letztendlich wir.

Ich hoffe mit dieser Idee auch andere Lebensmittelhersteller inspirieren zu können und das die Moral und Transparenz wieder höchste Priorität bekommt.

Euer Klein-Kebabheim aus der netten Nachbarschaft.

Murat Boztepe

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